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Solaranlage im Winter – Wie hoch ist der Ertrag wirklich?

Kevin Kohlmey

Kevin Kohlmey

Photovoltaik Fachmann · Mitgründer, GFK Solar · 20. Juli 2025

Viele Eigenheimbesitzer fragen sich, ob eine Solaranlage im Winter überhaupt Strom erzeugt. Die Antwort ist klar: Ja, auch in den kalten Monaten produziert eine PV-Anlage Strom – wenn auch weniger als im Sommer. In diesem Ratgeber erfahren Sie, welche Erträge Sie in Berlin und Brandenburg im Winter erwarten können und wie Sie Ihre Anlage optimal für die kalte Jahreszeit vorbereiten.

Wie hoch ist der PV-Ertrag im Winter?

Während der Wintermonate (November bis Februar) sinkt die Sonneneinstrahlung in Berlin und Brandenburg deutlich. Die tägliche Sonnenscheindauer reduziert sich auf 1–3 Stunden, und der Sonnenstand liegt bei nur 15–20° über dem Horizont. In dieser Zeit erzeugt eine typische 10-kWp-Anlage etwa 10–15 % ihres Jahresertrags. Das entspricht rund 100–150 kWh pro Monat – genug, um einen Grundbedarf zu decken.

Einflussfaktoren auf den Winterertrag

  • Sonneneinstrahlung:Die Globalstrahlung liegt im Winter bei 20–40 kWh/m² pro Monat, im Sommer bei 130–160 kWh/m².
  • Neigungswinkel: Steilere Modulneigungen (35–45°) fangen im Winter mehr Sonnenlicht ein als flachere Winkel.
  • Verschattung: Bei tiefem Sonnenstand werfen selbst niedrige Hindernisse lange Schatten. Bäume ohne Laub können durchlässiger sein, aber Gebäude und Schornsteine bleiben problematisch.
  • Schneebedeckung: Schnee auf den Modulen blockiert die Lichteinstrahlung, schmilzt aber bei dunklen Moduloberflächen oft schnell ab.
  • Temperatur:Kälte verbessert den Wirkungsgrad von Solarzellen. Pro Grad unter 25°C steigt die Leistung um ca. 0,3–0,5 %.

Solarstrom zum Heizen im Winter?

Eine Photovoltaikanlage allein reicht in der Regel nicht aus, um den Heizbedarf im Winter zu decken. In Kombination mit einer Wärmepumpe kann der Solarstrom jedoch einen Teil der Heizenergie liefern. Weitere Möglichkeiten:

  • Wärmepumpe:Nutzt Solarstrom für die Heizung und erzeugt aus 1 kWh Strom bis zu 4 kWh Wärme.
  • Infrarotheizung: Effizient für einzelne Räume, direkt mit Solarstrom betreibbar.
  • Heizstab im Warmwasserspeicher: Wandelt überschüssigen Solarstrom in warmes Wasser um.

Schneelast und Schneeräumung

Leichte Schneebedeckung beeinträchtigt die Funktion nur geringfügig – dünne Schneeschichten lassen noch Licht durch. Bei starkem Schneefall können Module jedoch vollständig bedeckt sein. Wichtige Hinweise:

  • Leichten, weichen Schnee vorsichtig mit einem weichen Besen entfernen.
  • Niemals eine Schneeschaufel oder harte Gegenstände verwenden, um Kratzer auf der Moduloberfläche zu vermeiden.
  • Dacharbeiten nur durchführen, wenn Sie erfahren und gesichert sind – Sicherheit geht vor Ertrag.
  • Module mit steilerem Neigungswinkel profitieren vom natürlichen Abrutschen des Schnees.

Verschattung im Winter minimieren

Selbst der geringste Schatten kann den Gesamtertrag erheblich verringern, besonders in den Wintermonaten, wenn die Sonne tief steht. Planen Sie Ihre Anlage so, dass auch im Dezember und Januar möglichst keine Schattenquellen die Module beeinflussen. Ein professionelles Verschattungsgutachten berücksichtigt den gesamten Jahresverlauf des Sonnenstands.

Tipps für maximalen Winterertrag

  • Module regelmäßig auf Verschmutzung und Schneebedeckung prüfen.
  • Steilere Neigungswinkel (35–45°) bevorzugen, wenn baulich möglich.
  • Einen Batteriespeicher nutzen, um den wenigen Solarstrom optimal zu verwerten.
  • Energieverbrauch in die Mittagsstunden verlagern, wenn die Sonneneinstrahlung am höchsten ist.
  • Sektorenkopplung mit Wärmepumpe oder Heizstab in Betracht ziehen.

Der Batteriespeicher als Winterhelfer

Gerade im Winter spielt ein Batteriespeicher eine entscheidende Rolle für die wirtschaftliche Nutzung des Solarstroms. Da die Sonneneinstrahlung auf wenige Mittagsstunden konzentriert ist, fällt die Erzeugung zeitlich oft nicht mit dem Verbrauch zusammen. Ein Speicher mit 8–10 kWh Kapazität kann den tagsüber erzeugten Strom zwischenspeichern und abends sowie morgens zur Verfügung stellen. In der Praxis lässt sich damit der Eigenverbrauchsanteil auch in den Wintermonaten von etwa 20 % auf 40–50 % steigern. Bei einem durchschnittlichen Winterverbrauch von 12–15 kWh pro Tag und einer Tagesproduktion von 3–6 kWh deckt die Solaranlage mit Speicher einen relevanten Teil des Bedarfs ab.

Praxisbeispiel: Winterertrag in Berlin

Eine 10-kWp-Anlage auf einem Satteldach mit 35° Neigung und Südausrichtung erzeugt in Berlin im Dezember durchschnittlich 250–350 kWh und im Januar 300–400 kWh. Zum Vergleich: Im Juni liefert dieselbe Anlage 1.100–1.300 kWh. Dennoch sind die Wintermonate keineswegs wertlos – bei einem Strompreis von 35 Cent/kWh entspricht die Winterproduktion von November bis Februar einem Gegenwert von rund 350–500 Euro. Mit modernen bifazialen Modulen, die auch reflektiertes Licht von Schneedecken auf der Rückseite nutzen, lässt sich der Winterertrag zusätzlich um 5–10 % steigern. Diese Module profitieren besonders in schneereichen Wintern von der erhöhten Albedo-Reflexion.

Fazit

Eine Solaranlage lohnt sich auch im Winter. Zwar sind die Erträge in Berlin und Brandenburg in den Wintermonaten deutlich geringer als im Sommer, doch in Kombination mit einem Batteriespeicher und einer Wärmepumpe können Sie Ihren Solarstrom ganzjährig effizient nutzen. Entscheidend ist eine gute Planung, die den Wintersonnenstand berücksichtigt und Verschattung minimiert.

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