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Notstrom und Ersatzstrom

Kevin Kohlmey

Kevin Kohlmey

Photovoltaik Fachmann · Mitgründer, GFK Solar · 20. Juli 2025

Stromversorgung bei Stromausfall

Solarstromanlagen bieten eine zuverlässige Lösung für die Notstromversorgung bei einem Stromausfall. Mit einer Photovoltaikanlage und einem passenden Batteriespeicher können Haushalte in Berlin und Brandenburg sicherstellen, dass während großflächiger Stromausfälle die Versorgung mit elektrischer Energie erhalten bleibt.

Unterschied zwischen Notstrom und Ersatzstrom

Die Begriffe Notstrom und Ersatzstrom werden oft synonym verwendet, unterscheiden sich aber in der Praxis:

  • Notstrom: Eine begrenzte Stromversorgung, die bei Netzausfall einzelne Steckdosen oder Verbraucher für einen kurzen Zeitraum versorgt.
  • Ersatzstrom (Backup): Eine vollständige Stromversorgung des gesamten Haushalts, die automatisch bei Netzausfall einspringt und den normalen Betrieb fortsetzt.

Funktionsweise bei Stromausfällen

Herkömmliche Photovoltaikanlagen sind bei Stromausfällen aus Sicherheitsgründen deaktiviert, da sie mit dem öffentlichen Stromnetz verbunden sind. Diese Abschaltung schützt Techniker, die am Netz arbeiten.

Durch die Integration eines Batteriespeichers und spezieller Wechselrichter mit Notstromfunktion kann eine unabhängige Ersatzstromversorgung realisiert werden. Der Wechselrichter erkennt den Netzausfall und schaltet innerhalb von Sekunden auf den Inselbetrieb um.

Speicherung und Kapazität

Ein Batteriespeicher mit angemessener Kapazität ist entscheidend für eine zuverlässige Notstromversorgung. Die benötigte Speichergröße hängt vom individuellen Stromverbrauch ab:

  • Ein durchschnittlicher Haushalt verbraucht ca. 3.500–4.500 kWh pro Jahr.
  • Für eine Überbrückung von 24 Stunden sind je nach Verbrauch ca. 5–10 kWh Speicherkapazität erforderlich.
  • Bei längeren Ausfällen über mehrere Tage kann die Speicherkapazität schnell erschöpft sein – eine Bedarfsanalyse wird empfohlen.

PV-Inselsysteme (Offgrid-Lösungen)

Für vollständige Unabhängigkeit vom Stromnetz bieten sich PV-Inselsysteme an. Diese Offgrid-Lösungen funktionieren auch an abgelegenen Orten in Brandenburg ohne Netzanschluss:

  • Keine Abhängigkeit vom öffentlichen Stromnetz
  • Funktionieren auch an abgelegenen Standorten
  • Minimaler Wartungsaufwand im laufenden Betrieb

Allerdings sind die Vorlaufkosten höher, und es werden größere Speicherkapazitäten benötigt, um auch bei mehrtägiger Bewölkung eine durchgängige Versorgung zu gewährleisten.

Technische Anforderungen und Kosten

Nicht jeder Batteriespeicher bietet automatisch eine Notstromfunktion. Für eine zuverlässige Ersatzstromversorgung benötigen Sie:

  • Notstromfähiger Wechselrichter:Hybridwechselrichter von Herstellern wie SMA (Sunny Tripower Smart Energy), Fronius (Symo GEN24) oder Kostal (Plenticore) unterstützen die automatische Umschaltung auf Inselbetrieb. Die Umschaltzeit beträgt je nach Modell zwischen 5 und 20 Sekunden.
  • Kompatible Batterie:Speichersysteme wie BYD Battery-Box, SENEC oder Tesla Powerwall müssen mit dem Wechselrichter kompatibel sein und die Notstromfunktion unterstützen.
  • Umschalteinrichtung:Ein automatischer Netzumschalter (Transfer Switch) trennt das Hausnetz vom öffentlichen Netz und ermöglicht den Inselbetrieb.

Die Zusatzkosten für die Notstromfähigkeit liegen bei ca. 500–2.000 € gegenüber einer Standardinstallation ohne Notstrom. Ein vollständiges Ersatzstromsystem mit 10 kWh Speicher kostet 2025/2026 in der Region Berlin/Brandenburg zwischen 8.000 und 14.000 € (inklusive Speicher und Hybridwechselrichter).

Dimensionierung für Berliner und Brandenburger Haushalte

Bei der Planung einer Notstromversorgung sollten Sie zwischen kritischen und unkritischen Verbrauchern unterscheiden. Typische kritische Verbraucher sind:

  • Kühlschrank und Gefriertruhe (ca. 100–200 W Dauerleistung)
  • Heizungssteuerung und Umwälzpumpe (ca. 50–100 W)
  • Internet-Router und Kommunikationsgeräte (ca. 30–50 W)
  • Beleuchtung mit LED (ca. 50–100 W)

Zusammen benötigen diese kritischen Verbraucher ca. 250–450 W Dauerleistung. Ein Speicher mit 5 kWh Kapazität kann diese Grundversorgung somit 10–20 Stunden aufrechterhalten. Wer auch eine Wärmepumpe oder eine Wallbox im Notfall versorgen möchte, benötigt Speicherkapazitäten von mindestens 15–20 kWh.

Notstrom im Zusammenspiel mit der PV-Anlage

Ein besonderer Vorteil der Kombination aus PV-Anlage und Speicher: Tagsüber lädt die Solaranlage den Speicher im Inselbetrieb wieder auf. Dadurch kann die Notstromversorgung bei ausreichender Sonneneinstrahlung theoretisch unbegrenzt aufrechterhalten werden. Selbst an bewölkten Tagen erzeugt eine 10-kWp-Anlage in Berlin noch 5–15 kWh – genug, um die kritischen Verbraucher zu versorgen und den Speicher teilweise nachzuladen.

Stromausfallrisiko in Deutschland

Das deutsche Stromnetz gilt als eines der zuverlässigsten weltweit mit einer durchschnittlichen Unterbrechungsdauer von nur 12 Minuten pro Jahr (Bundesnetzagentur, SAIDI-Wert). Bundesregierung und Netzbetreiber arbeiten kontinuierlich an der Netzstabilität und Versorgungssicherheit. Dennoch zeigen Extremwetterereignisse wie Stürme und Eisregen, dass eine private Notstromversorgung sinnvoll sein kann – gerade in ländlichen Gebieten Brandenburgs, wo Netzausfälle gelegentlich mehrere Stunden dauern können. Auch die zunehmende Elektrifizierung von Heizung (Wärmepumpe) und Mobilität (Elektroauto) erhöht die Abhängigkeit von einer stabilen Stromversorgung.

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